der Typ1

Etwa fünf von hundert Diabetikern haben Typ-1-Diabetes. Weil ihre Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert, müssen sie sich das zuckersenkende Hormon mehrmals täglich selbst spritzen.

 

Wer behandelt Typ-1-Diabetes?

Mit Typ-1-Diabetes sind Sie am besten bei einem Diabetologen aufgehoben (Kinder beim Kinderdiabetologen). Diabetologen sind meist Allgemeinärzte, Internisten oder Kinderärzte, die  eine mehrjährige Ausbildung in einer Diabetes-Klinik ab­solviert haben. Sie sind in den  Spezial­abteilungen von Kliniken oder in diabeto­logischen Schwerpunktpraxen tätig. „Die Patienten werden dort nicht nur vom Arzt betreut, sondern von einem ganzen Team, zu dem etwa auch eine Diabetesberaterin, Diätassistentin oder Ernährungsberaterin gehören", sagt Dr. Jolanda Schottenfeld­ Naor, die eine Praxis in Düsseldorf hat.

Warum muss ich so oft Insulin spritzen?

Bei Typ-1-Diabetes bildet der Körper kein Insulin mehr oder nur noch kleinste Men­gen. Ohne Insulin geht dem Körper rasch die Energie aus, weil der wichtigste Treib­stoff, die Glukose (Traubenzucker), nicht mehr in die Zellen gelangt. Dafür steigt der Zuckerspiegel im Blut stark an. Wer Typ1 hat, lernt, sich mehrfach täglich die nötige Insulindosis zu spritzen, vor allem zu den Mahlzeiten und für die Nacht, aber auch zur Korrektur erhöhter Zucker­spiegel. Damit werden akute Stoffwech­selentgleisungen vermieden und Folgekrankheiten des Diabetes durch hohe Zuckerwerte verhindert.

Wie wird Insulin verabreicht?

Gespritzt wird Insulin meist mit einem Pen, ähnlich wie ein Füller, der statt einer Tinten eine Insulinpatrone enthält und statt der Feder eine Nadel hat. Säuglinge und Kleinkinder erhalten heute meist so­fort eine Insulinpumpe. Bei dieser wird das Insulin über einen dünnen Katheter verabreicht, der unter die Haut (meist am Bauch) geschoben wird. Erwachsenen be­zahlen die Krankenkassen eine Pumpen­therapie wegen der hohen Kosten nur un­ter bestimmten Voraussetzungen.

Warum ist die „Schulung" wichtig?

Wer Typ-1-Diabetes hat, misst mehrfach täglich seinen Blutzucker und spritzt sich Insulin. Die Dosis berechnet man selbst, wobei  neben  dem  Kohlenhydratgehalt des Essens etliche weitere Faktoren berücksichtigt werden,  die den Blutzu­cker beeinflussen. Wie man das macht, muss man erst einmal lernen. Kinder ge­hen dafür in der Regel mit einem Eltern­teil für einige Wochen in das Diabeteszen­trum einer Kinderklinik. Erwachsene, bei Bedarf auch Angehörige, können sich in einer Schwerpunktpraxis schulen lassen. Wenn nötig, können Schulungen wieder­holt werden. Das ist sinnvoll, wenn Kinder älter werden und mehr Eigenverantwor­tung in der  Diabetestherapie  überneh­men. Auch der Wechsel vom Pen auf ei­ne Insulinpumpe kann ein Grund für eine neue Schulung sein, ebenso wie Probleme mit stark schwankenden Zuckerwerten oder häufigen Unterzuckerungen. Damit die Krankenkasse zahlt, sollte man in ein Disease-Management -Programm (DMP) eingeschrieben sein.

Warum will der Arzt, dass ich regel­mäßig zur Kontrolle komme?

Wer Typ-1-Diabetes hat, geht im Schnitt einmal im Vierteljahr in die Praxis. Dort bespricht man mit dem Arzt zum Beispiel Probleme, die es im Alltag mit den Zuckerwerten gibt, und sucht nach Lö­sungen. Anhand der protokollierten Zuckerwerte prüft der Arzt, ob die Insulintherapie verbessert werden muss. Dabei hilft ihm auch der Blutzucker-Langzeitwert HbAlc, der im Venenblut gemessen wird. Außerdem macht der Arzt regelmä­ßig Vorsorge-Untersuchungen, um Schäden, die der Diabetes auf Dauer anrichten kann (etwa an Augen, Nieren oder Ner­ven), frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Muss ich auf alles Süße verzichten?

Nein. Typ-1-Diabetes kommt nicht daher, dass man zu viele Süßigkeiten isst. Im Wesentlichen  gelten daher die gleichen Empfehlungen wie für Menschen ohne Diabetes: Erlaubt ist, was schmeckt - al­ so auch mal Kuchen, Eis oder Schokolade. Insgesamt sollte die Ernährung gesund und ausgewogen sein und dazu beitragen, Übergewicht zu verhindern. Und natür­lich muss die Insulindosis auf die enthal­tenen Kohlenhydrate abgestimmt werden. Gezuckerte Getränke wie Fruchtsaft oder Limonade lassen den Blutzucker sehr schnell in die Höhe schießen, wes­ halb man sie besser  meiden sollte. Sie eignen sich aber zur raschen Beseitigung einer Unterzuckerung.

Wie sieht es mit Sport aus - auch in der Schule?

Bewegung hält gesund -das gilt auch für Typ-1-Diabetiker. Allerdings muss man wissen, dass Sport den Blutzucker stark senken kann. Deshalb ist es wichtig, ein paar Dinge zu beherzigen, die man in der Schulung oder beim Arzt erfährt - et­wa, den Zucker häufiger zu kontrollie­ren (auch noch Stunden nach anstren­gendem Sport sind Unterzuckerungen möglich), Warnzeichen  einer Unterzu­ckerung zu beachten und stets Trauben­zucker griffbereit  zu  haben. Mitunter kann Sport den Blutzucker bei Typ-1-Diabetes auch erhöhen - etwa wenn man vergessen hat, das Insu­lin zu spritzen. Wer einen hohen Wert hatte, sollte diesen also erst mit Insulinkorrigieren und etwas warten,  bevor er Sport treibt. Dies und mehr lernt man in der Schulung. Aber keine Sorge: Was am Anfang kompliziert klingt, geht bald in Fleisch und Blut über. Viele Diabetiker entwickeln mit der Zeit ein gutes Gefühl dafür, wie ihr Körper, etwa beim Sport, reagiert. Bei Kindern ist es wichtig, dass der Sportlehrer die Anzeichen einer Un­terzuckerung erkennt und schnell helfen kann. Übrigens gibt es eine ganze Reihe von Spitzensportlern, die Typ-1-Diabetes haben.

Hat der Diabetes Auswirkungen auf meine Berufswahl?

Vor allem für Jugendliebe  mit Diabetes eine berechtigte Frage: Es gibt tatsäch­lich einige Berufe, die als nicht oder nur bedingt geeignet gelten. Dazu zählen vor allem Berufe, in denen eine Unterzucke­rung zu einer Gefahr nicht  nur für den Diabetiker selbst,  sondern  auch für  an­dere wird. Zum Beispiel  könnte  ein Pi­lot oder ein Busfahrer, der eine schwere Unterzuckerung entwickelt, plötzlich be­wusstlos werden  und  die Kontrolle ver­lieren. Im Einzelfall ist es am besten, sich wegen  des  Berufswunsches  rechtzeitig auch mit seinem Diabetesarzt zu bespre­chen. Unter Umständen lassen sich mit entsprechenden  Gutachten  sowie dem Nachweis eines  verantwortungsvollen Umgangs  mit  dem  Diabetes  und  dem Unterzuckerrisiko durchaus Ausnahmen erreichen.

 

Diese Kontrolltermine sind wichtig

Erwachsene:

• Vierteljährlich: HbA1C- und Blutdruckmessung, Inspektion der Spritzstellen

• Jährlich: Untersuchung der Füße

• Jährlich nach 5 Jahren Diabetesdauer: Test auf Eiweiß im Urin, Kontrolle der Netzhaut beim Augenarzt

 

Kinder:

• Vierteljährlich: HbA1c-Messung, Inspektion der Spritzstellen

• Jährlich ab 11 Jahren: Blutdruckmessung

• Jährlich ab 10 Jahren bzw. nach 5 Jahren Diabetesdauer: Test auf Eiweiß im Urin, Kontrolle der Netzhaut beim Augenarzt

 

Quelle: Diabetes-Ratgeber

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